Die Zukunft des Segelfliegens ist elektrisch

Von Herstellern zu kaufen gibt es heute 20 elektrische Eigenstarter, davon 14 (noch) nicht final in Deutschland zugelassen (2 fliegen mit Permit-to-Fly). Mit Spannweiten von 13,5 bis 23 m, vier davon sind Doppelsitzer! Und es gibt 10 Segelflugzeuge mit elektrischem Hilfstriebwerk (4 noch nicht zugelassen), einschließlich von drei Doppelsitzern.

Erstflughistorie Elektrosegelflugzeuge

Wie man sieht gibt es seit 2012 einen starken Schub bei den Erstflügen (und damit der Entwicklung) elektrischer Segelflugzeugtypen, und seit 2018 hat die Dynamik nochmals zugenommen.

Die Vorteile der Elektrofliegerei

  • schnellere Einsatzbereitschaft mit höherer Einsatzsicherheit (Elektromotoren springen immer an)
  • einfachste Bedienung auch unter Stress
  • weniger Wartungsaufwand (nahezu verschleißfrei, Überprüfung alle 5 Jahre)
  • niedrigere Betriebs- und Wartungskosten
  • weniger Lärm, fast keine Vibration
  • kein Benzingeruch im Flieger
  • keine Spritreste auf dem Flieger nach Motornutzung, weniger Putzen
  • Motorleistung unabhängig von der Druckhöhe
  • leistungsstarke Motoren sind kleiner und leichter als Verbrennungsmotoren
  • voller Drehmoment über den gesamten Leistungsbereich
  • die Batterien können in die Flächen verlegt werden (spart Platz + erhöht nicht das Gewicht der nichttragenden Teile)
  • werthaltige Investition: wer will in 10-20 Jahren noch gerne gebrauchte Verbrenner kaufen?

Die Nachteile

  • die gewichtsbezogen niedrige Energiedichte heutiger Batterien führt entweder zu eingeschränkter Reichweite oder hohem Gewicht
  • (noch) sind die Batteriekosten relativ hoch (aber die Systemkosten sind schon heute nicht teurer als bei Verbrennern: ein Elektroantriebssystem kostet, als Preisdifferenz zum antriebslosen Flieger, bei Einsitzern 25.000-40.000€)
  • heutige Lithium-Ionen Batterien haben noch ein inhärentes Brandrisiko, dem konstruktiv entgegengewirkt werden muss

Mittlerweile gibt es schon fast 20 Jahre Erfahrung mit Elektro-Segelflug – die Antares 20E ist der Pionier und wird bis heute gebaut. Ein weiterer großer Schritt war die Entwicklung des FES-Antriebs von LZ Design (Erstflug 2009). Heute ist eine FES Option für viele Typen als Flautenschieber verfügbar, und wird seit einiger Zeit auch für Eigenstarter verwendet – erstmals in der miniLAK. Aktuell entstehen erste Kopien eigenentwickelter FES-Systeme, und mehrere Hersteller haben elektrische Klapptriebwerke entwickelt. Getrieben durch die Elektrifizierung der Automobilindustrie werden die Batteriepreise in den nächsten 10 Jahren spürbar sinken und die Leistungsdichte der Batterien deutlich steigen. Schon jetzt beginnen die ersten Hersteller zu Batteriezellen aus der Automobilwelt zu wecheln. Die Zukunft ist elektrisch!